Basisarbeit

Etwa 20 Prozent aller Beschäftigten führen Tätigkeiten aus, die außer einer einfachen Einarbeitung keine berufliche Qualifikation erfordern. Mit ihrer Arbeit halten Basisarbeiter*innen das gesellschaftliche Leben am Laufen. Gleichzeitig erfahren sie als Beschäftigte in ihren Tätigkeiten selten Aufmerksamkeit und sind vielfach sogar „unsichtbar“. Gleiches gilt für die schwierigen Arbeitsbedingungen, unter denen Basisarbeit in der Regel verrichtet wird. Die Beschäftigungsverhältnisse sind oft prekär und mit niedrigen Löhnen, fehlender Mitbestimmung sowie geringen Aus- und Aufstiegschancen verbunden. Dass die Arbeitsgestaltung, die körperlichen und psychischen Bedingungen des Menschen ausdrücklich zu berücksichtigen hat, ist im Arbeitsschutzgesetz fest verankert. Im Themenfeld Basisarbeit geht es darum, diese Anforderungen in konkrete Vorhaben für die menschengerechte Gestaltung von Basisarbeit auszuformulieren – insbesondere in den Branchen, in denen Basisarbeit verrichtet wird.

Das Vorhaben:
Basisarbeit verbessern


Der Alltag der Millionen Menschen, die in Wirtschaft und Gesellschaft Basisarbeit leisten, ist weitgehend geprägt durch harte körperliche Arbeit, durch Zeitdruck, Fremdsteuerung und das Gefühl austauschbar zu sein. Aufgrund der geringen Einkommen ist ihr privater Alltag bestimmt von Einschränkungen und Verzicht: Die meisten müssen streng haushalten, dazu verdienen oder aufstocken, um über die Runden zu kommen. Dabei sind die Basisarbeiterinnen und Basisarbeiter stolz, einen Arbeitsplatz zu haben und oft davon überzeugt, eine nützliche und sinnvolle Tätigkeit auszuüben. Paketzusteller, Reinigungskräfte, Supermarktkassierer*innen, Kranken- und Altenpflegehelfer*innen halten den Alltag der anderen erst am Laufen. Es braucht konstruktive Lösungsansätze für eine menschengerechte Gestaltung von Basisarbeit – auf betrieblicher und politischer Ebene. Hierfür widmet sich das Vorhaben vier zentralen Kernthemen.

  • Leistungsdruck und Arbeitsverdichtung

    Die Tätigkeiten von Basisarbeitenden sind meist durch fest vorgegebene Abläufe und Routinearbeiten geprägt. Hohe Arbeitsvolumen, Arbeiten auf Abruf sowie ausgedünnte Personaldecken sind dabei keine Seltenheit und führen zu Stress und Belastung bei den Beschäftigten. Im Kontext von befristeten Verträgen und mangelndem Kündigungsschutz berichten Basisarbeiter*innen zudem oftmals von dem Gefühl, austauschbar zu sein. Hinzu kommt, dass sich im Zuge der Digitalisierung Arbeitsprozesse verdichten sowie neue Technologien zur Leistungsüberprüfung zur Verfügung stehen. So erhöhen etwa Postsendungen in Echtzeit den Leistungsdruck bei Beschäftigten.

  • Gesunde Arbeitsgestaltung

    Schichtarbeit, schweres Heben, Staub und Lärm: Basisarbeit ist häufig mit harten körperlichen Belastungen und Verletzungsgefahren verbunden. Verglichen mit anderen Beschäftigten sind Basisarbeiter*innen überdurchschnittlich von ungesunden und unsicheren Arbeitsbedingungen betroffen. Hohe körperliche und psychische Anforderungen können zu gesundheitlichen Beschwerden führen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sind nicht selten Folge solcher Arbeitsumstände. Neben körperlichen Beschwerden berichten Basisarbeitende häufig auch von psychosomatischen Beschwerden im Kontext ihrer Arbeit. Gleichzeitig mangelt es an betrieblichen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und gewerkschaftlicher Unterstützung.

  • Autonomie und Sinn der Arbeit

    Oftmals haben Basisarbeiter*innen bei ihren Tätigkeiten geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume, da Abläufe minutiös vorgegeben und durchgetaktet sind. Teilweise wird die Einhaltung von Abläufen sogar engmaschig durch digitale Systeme kontrolliert. Häufig bleibt dabei auf Unternehmensebene unsichtbar, wie entscheidend Basisarbeiter*innen mit ihren vermeintlich einfachen Tätigkeiten zum Unternehmenserfolg beitragen. Das Empfinden der eigenen Tätigkeiten als eine sinnvolle Leistung, bei der die eigenen Fähigkeiten und Ideen eingebracht werden können, ist jedoch wichtig für eine erfüllende und gesunde Arbeit. Ebenso fehlt es für Basisarbeiter*innen oftmals an Weiterbildungs- und Aufstiegschancen und Möglichkeiten über ihre Arbeitsbedingungen im Rahmen betrieblicher Mitbestimmung mitzuentscheiden.

  • Respekt und Anerkennung

    Basisarbeiter*innen legen in vielen Bereichen die Grundlage für Wertschöpfung – doch zu oft wird ihre Arbeitsleistung unter häufig belastenden Bedingungen nicht angemessen wertgeschätzt. Dabei geht es sowohl um materielle wie auch immaterielle Aspekte von Respekt und Anerkennung: Gute Arbeit muss sich in Form von sicheren Arbeitsverhältnissen sowie angemessener Entlohnung und Absicherung für das Alter lohnen. Auch die Anerkennung der individuellen Arbeitsleistung durch Unternehmen und Vorgesetzte ist wichtig für Basisarbeiter*innen, die stolz darauf sind, ehrliche und konkrete Arbeit zu leisten. Nicht zuletzt ist auch die wahrgenommene „Unsichtbarkeit“ der eigenen Arbeit eine Belastung, wenn beispielsweise Kund*innen Basisarbeitende als Person ignorieren und ihre Dienstleistung als selbstverständlich ansehen.