Personen und Perspektiven

Tag der Arbeit: Wie sieht die Zukunft
menschengerechter Arbeit aus?

Bezahlter Urlaub, Mindestlohn und geregelte Arbeitszeiten gehören für viele Menschen in Deutschland selbstverständlich zum Arbeitsleben dazu. Dabei sind sie mühevoll erkämpfte Errungenschaften von Arbeitnehmer*innen, die heute die Grundlage unserer Arbeitswelt darstellen. Der Tag der Arbeit ist eine Gelegenheit, über die Zukunft guter Arbeit nachzudenken und darüber, wie wir Arbeit sicher und menschengerecht gestalten können.

Der Tag der Arbeit erinnert uns an die Notwendigkeit von fairen Löhnen, sicheren Arbeitsbedingungen und der Anerkennung der vielfältigen Beiträge, die jede*r Einzelne bei der Arbeit leistet. Gleichzeitig dient er als Anstoß, aktuelle Forderungen der Arbeitnehmer*innen und Veränderungen in der Arbeitswelt zu diskutieren. In einer sich ständig wandelnden Arbeitswelt, geprägt von Technologie, Globalisierung und Klimakrise, ist es wichtiger denn je, die Rechte und Würde der Arbeitnehmer*innen zu schützen.

Dass die menschengerechte Gestaltung der Arbeit, die körperlichen und psychischen Bedingungen des Menschen ausdrücklich zu berücksichtigen hat, ist im Arbeitsschutzgesetz fest verankert. Doch was bedeuten die Kriterien „ausführbar“, schädigungslos“, „zumutbar“ und „persönlichkeitsfördernd“ in einer sich wandelnden Arbeitswelt? Neue Ideen und praktische Lösungen sind gefragt, um Arbeitsplätze in Zeiten massiver Veränderungen modern, menschengerecht und zukunftsfähig zu gestalten.

Im Frühkapitalismus hat sich der Mensch der Arbeit anpassen müssen. Heute versuchen wir gemeinsam die Arbeit entsprechend den menschlichen Bedürfnissen zu gestalten. Menschengerechte Arbeit ist nicht nur das Verhüten von schweren Arbeitsunfällen, sondern umfasst auch einen ganzheitlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Arbeit darf nicht krank machen; sie muss die körperliche Unversehrtheit garantieren und die Entfaltung der Persönlichkeit beinhalten!


Udo Roth, stellv. Betriebsratsvorsitzender Mercedes-Benz Werks Gaggenau Daimler Truck AG

Im Programm ARBEIT: SICHER + GESUND wird der Einfluss der umfangreichen Transformationsprozesse in der Arbeitswelt auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten in den Blick genommen. Entlang zentraler Themen entwickeln Expert*innen und betriebliche Akteur*innen Lösungen für moderne, menschengerecht gestaltete Arbeitsplätze.

Gemeinsam für die Stärkung psychischer Gesundheit in der Arbeitswelt

Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) stellen psychische Erkrankungen die zweithäufigste Ursache für Fehlzeiten dar. Die Förderung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt steht deshalb seit vielen Jahren kontinuierlich auf der Agenda des BMAS. Die Arbeit im Programm baut auf wichtigen Vorarbeiten auf. Gemeinsam mit den für Arbeitsschutz, Prävention und Rehabilitation zuständigen Expert*innen, werden Handlungsoptionen erarbeitet, um die psychische Belastung bei der Arbeit zu optimieren, die psychische Gesundheit zu stärken und wiederherzustellen.

Menschengerecht gestaltete Arbeit trägt wesentlich zur Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten bei. Um die psychische Gesundheit zu schützen und zu fördern, ist die Gestaltung von Führung, Handlungsspielräumen, Arbeitsintensität und Arbeitszeit besonders zentral. Mit der Gefährdungsbeurteilung haben Betriebe ein Instrument, um präventive Arbeitsgestaltung systematisch voranzutreiben. Wichtig sind zudem betriebliche Maßnahmen der Früherkennung psychischer Beeinträchtigungen und das betriebliche Eingliederungsmanagement, um die Arbeitsfähigkeit der Betroffenen wiederherzustellen und zu erhalten.


Dr. Wegewitz und Dr. Beck Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)

Klima wandelt Arbeit

Neue Herausforderungen gehen zudem von der Klimakrise aus, welche unsere Arbeitswelt nachhaltig verändert. Schon heute sind die Folgen spürbar und werden sich in Zukunft voraussichtlich weiterverstärken: Lange Hitzeperioden und starke UV-Strahlung machen Arbeit im Freien, wie auch in Büros und Fabrikhallen beschwerlich und sogar gesundheitsgefährdend. Hier ist es notwendig, die Frage nach sicheren und gesunden Arbeitsbedingungen zu diskutieren und Lösungen für Beschäftigte und Betriebe auszuarbeiten.

Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt. Zunehmende Hitze, Extremwetter, aber auch physische und psychische Belastungen bringen Herausforderungen für Beschäftigte und Führungskräfte mit sich. Unternehmen kommt dabei eine Doppelrolle zu: Sie sind zum einen Promotoren der Transformation hin zur Klimaneutralität und zum anderen Orte, an denen den Folgen des Klimawandels begegnet werden muss. Strukturen, wie das Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und der Arbeitsschutz können dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie stehen aktuell in der Politikwerkstatt Klima auf dem Prüfstand: Sind unsere Instrumente scharfgestellt, um mit Klimawandelfolgen umgehen zu können?


Maike Voss Direktorin des Centre for Planetary Health Policy CPHP

Basisarbeit ist systemrelevant

Nur selten Aufmerksamkeit bekommen zudem Tätigkeiten, die außer einer einfachen Einarbeitung keine berufliche Qualifikation erfordern. Dabei halten Basisarbeiter*innen mit ihrer Arbeit das gesellschaftliche Leben am Laufen. ARBEIT: SICHER + GESUND widmet sich daher Wegen zur Aufwertung und menschengerechten Gestaltung von Basisarbeit.

Basisarbeit ist in vielen Bereichen essenzielle Arbeit, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde. Ohne die Hilfstätigkeiten in Reinigung, Logistik, Einzelhandel und Gastronomie läuft bei uns nichts. Zugleich ist die Arbeit oft körperlich hart und die Arbeitszeiten sind schlecht. Um den Beitrag von Basisarbeit für die Gesellschaft anzuerkennen und die Bedingungen zu verbessern, müssen wir zunächst mit den Betroffenen über die Arbeitsbedingungen sprechen und konkret nach den Wünschen und Bedürfnissen fragen. Es geht nicht darum, Basisarbeit abzuschaffen, sondern darum, sie zu gestalten.


Prof. Dr. Anke Hassel Politikwissenschaftlerin Hertie School

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