Basisarbeit spielt eine zentrale Rolle in der deutschen Wirtschaft. Knapp jede fünfte erwerbstätige Person ist in diesem Bereich tätig. Das entspricht fast acht Millionen Menschen – also knapp 20 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland. Eine genauere Einordnung des Begriffs, eine Übersicht über typische Beschäftigungen und Informationen zur gesundheitlichen Situation der Basisarbeitenden finden Sie hier.
Basisarbeit – Hintergrund
Was versteht man unter Basisarbeit?
Basisarbeit – auch „Einfacharbeit“ oder „Hilfstätigkeit“ genannt – umfasst Tätigkeiten, die keine spezielle oder nur eine geringe berufliche Qualifikation erfordern. Meist erfolgt die Einarbeitung über eine praktische Einweisung direkt am Arbeitsplatz, wie zum Beispiel bei Routinetätigkeiten wie Reinigung, Zustellung, Kommissionierung oder bei helfenden Tätigkeiten in Pflege oder Erziehung. Auch neue Tätigkeitsfelder, wie die sogenannten Food Rider zur Essensauslieferung, gehören zur Basisarbeit.
Anforderungsniveau
Basisarbeit unterscheidet sich in zwei Level. Sie hängen von der für die Tätigkeit erforderliche Einarbeitungszeit ab:
- Level 1: Eine kurze Einweisung in die Tätigkeit reicht aus.
- Level 2: Die Tätigkeit erfordert eine längere Einarbeitung
Entscheidend für die Einordnung sind nicht die formalen Qualifikationen der Beschäftigten, sondern die spezifischen Anforderungen der Tätigkeit. Beide Gruppen sind zahlenmäßig etwa gleich groß, wobei der Anteil der Level-2-Basis-arbeitenden leicht steigt.
Wie viele Menschen arbeiten in der Basisarbeit?
Basisarbeitende leisten einen wichtigen Beitrag zur deutschen Wirtschaft. Knapp jede fünfte erwerbstätige Person ist in diesem Bereich tätig – das entspricht fast acht Millionen Menschen. Etwa drei Viertel aller Basisarbeitenden sind in Dienstleistungsberufen tätig. Dazu zählen unter anderem Sicherheits-, Verkehrs-, Logistik- und Reinigungsberufe. In diesem Sektor führt fast jede*r zweite Beschäftigte Basisarbeit aus. Auch im Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen – etwa in der Gastronomie, in Gesundheitsberufen oder sozialen Dienstleistungen – ist Basisarbeit weit verbreitet: Hier arbeitet etwa jede*r vierte Beschäftigte in Hilfstätigkeiten. Fast jede*r fünfte Basisarbeitende ist in Produktionsberufen tätig, beispielsweise in der Landwirtschaft, im Gartenbau oder in der Bau- und Fertigungsindustrie.
Soziodemografische Merkmale von Basisarbeitenden
Auch beim Geschlecht ist die Verteilung unter Basisarbeitenden relativ ausgeglichen. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede in den Sektoren: Basisarbeiterinnen sind mit einem Anteil von 90 Prozent deutlich häufiger in Dienstleistungen tätig. Männer hingegen sind zu ca. zwei Dritteln in der Produktion tätig.
Hinsichtlich des Bildungsgrads von Basisarbeitenden zeigt sich ein interessantes Phänomen: Tatsächlich hat die Mehrheit der Basisarbeitenden eine abgeschlossene Berufsausbildung oder höhere Bildungsabschlüsse – insgesamt sind es 54 Prozent. Damit arbeiten viele Basisarbeitende unter ihrem Qualifikationsniveau. Dazu ist anzunehmen, dass ein relevanter Anteil der Basisarbeitenden über eine Berufsausbildung verfügt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht anerkannt wird.
Bei der Herkunft von Basisarbeitenden zeigt sich: Der Großteil der Basisarbeitenden hat die deutsche Staatsangehörigkeit (67 Prozent). Rund ein Drittel der Basisarbeitenden hat eine Einwanderungsgeschichte, also etwa 1,9 Millionen Menschen.
Beschäftigungsmerkmale von Basisarbeit
Jede*r fünfte Basisarbeitende hat einen befristeten Arbeitsvertrag, womit der Anteil deutlich höher ist als in der Gesamtheit der Arbeitsverträge (8 Prozent). Auch Zeitarbeit ist im Bereich der Basisarbeit überrepräsentiert. Basisarbeitende sind öfter in Teilzeit angestellt, zudem hat mit 61 Prozent ein Großteil der Basisarbeitenden keinen Einfluss auf den Beginn und das Ende ihrer Arbeitszeit. Sie arbeiten häufiger in Schichtarbeit sowie an Wochenenden und Feiertagen.
Die Einkommenssituation von Basisarbeitenden ist oft von niedrigen Löhnen geprägt.
Es zeigen sich auch hier deutliche branchenspezifische Unterschiede: In Bereichen wie der Industrie und dem Baugewerbe liegen die Einkommen weit über dem Mindestlohn und sind häufig durch Tarifverträge abgesichert. In einigen Dienstleistungsbranchen sind die Gehälter erheblich niedriger.
Die gesunde Gestaltung der Arbeitsbedingungen steht im Zentrum der Debatte im Themenfeld „Basisarbeit“ des Programms ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG). Gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Politik, Praxis und Zivilgesellschaft werden Lösungen entwickelt, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern und die Wertschätzung für die Arbeit erhöhen.
In diesem Rahmen hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) einen sozialpartnerschaftlichen Dialog angestoßen, in dem die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) Lösungen suchen, um die Reinigungstätigkeit so attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten.
Zum Sozialpartnerdialog für bessere Bedingungen in der Gebäudereinigung
Arbeitsbedingungen und gesundheitliche Situation
Basisarbeitende sind häufig höheren Arbeitsanforderungen ausgesetzt als Facharbeitende oder Beschäftigte in hochqualifizierter Arbeit. Die Tätigkeiten gehen oftmals mit starken körperlichen Belastungen und psychischen Anforderungen einher und erfahren zugleich wenig gesellschaftliche Wertschätzung.
Arbeitsbedingungen
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Die körperlichen Anforderungen variieren je nach Anforderungsniveau und Art der Tätigkeit. Mehr als zwei Drittel der Basisarbeitenden sind im Stehen tätig, und ein Fünftel aller Basis- und Facharbeitenden sind oft an Zwangshaltungen gebunden, unter anderem durch langanhaltendes Stehen, Rumpfbeugen oder das Tragen von schweren Lasten.
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Etwa jede*r dritte Basisarbeitende ist Kälte, Nässe, Hitze, Feuchtigkeit, Zugluft oder Lärm ausgesetzt. Unter hochqualifizierten Beschäftigten betrifft dies nur sieben Prozent. Weitere Belastungsfaktoren sind der Kontakt mit Rauch, Gasen, Staub oder Dämpfen sowie schlechte Beleuchtung oder grelles Licht.
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Die psychischen Anforderungen sind je nach Tätigkeit unterschiedlich stark ausgeprägt. Basisarbeitende fühlen sich im Vergleich zu anderen Beschäftigungsgruppen in mehreren Aspekten stärker belastet. Dazu zählen unter anderem eine geringere soziale Unterstützung durch Kolleg*innen, Konflikte zwischen Arbeit und Privatleben, wenig Kontrolle über die Arbeitszeit sowie begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten.
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Bei knapp 40 Prozent der Basisarbeitenden ist die Durchführung ihrer Tätigkeit in allen Einzelheiten vorgeschrieben. Dadurch bleibt kaum Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Zum Vergleich: Bei Fachkräften liegt dieser Wert bei rund 30 Prozent, bei Hochqualifizierten bei etwas über zehn Prozent. Mehr als 36 Prozent der Basisarbeitenden arbeiten außerdem im Akkord, nach Stückzahl oder vorgegebenen Zeiten. Fast 65 Prozent führen zudem überwiegend monotone, repetitive Tätigkeiten aus. In Wechselwirkung mit den arbeitszeitlichen Rahmenbedingungen führen die genannten Faktoren zur weiteren Intensivierung der Belastung.
Arbeitsfähigkeit
Basisarbeitende sind im Berufsalltag besonders hohen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Ein Viertel der Basisarbeitenden in körperlichen Tätigkeiten berichtet von Einschränkungen. Bei hochqualifizierten Beschäftigten in körperlichen Tätigkeiten liegt dieser Anteil bei 18 Prozent. Zudem bewerten nur 38 Prozent der älteren Basisarbeitenden ihre Gesundheit und Arbeitsfähigkeit als gut – deutlich weniger als in qualifizierten Berufen.
Gesundheitliche Situation
Basisarbeitende sind im Durchschnitt häufiger und länger krank als die Gesamtheit der Beschäftigten. Mit rund 30 Fehltagen pro Jahr liegt diese Beschäftigtengruppe deutlich über dem Durchschnitt von knapp 23 Tagen.
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Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit – sie sind für jeden vierten bis fünften gemeldeten Krankheitstag verantwortlich. Basisarbeitende sind tendenziell häufiger betroffen: Laut dem Gesundheitsbericht Basisarbeitende 2023 treten bei ihnen Muskel-Skelett-Erkrankungen um 55 Prozent häufiger auf als bei anderen Beschäftigten.
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Bei Basisarbeitenden entfallen rund 14 Prozent aller Ausfalltage auf Atemwegserkrankungen. Dieser Anteil liegt unter dem Wert von fach- und hochqualifizierten Kräften.
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Psychische Diagnosen machen bei Basisarbeitenden 11,2 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage aus. Der Anteil ist etwas niedriger als bei Beschäftigten in qualifizierten und hochqualifizierten Tätigkeiten.
Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung
Die Verfügbarkeit von Arbeitsschutzkontaktstellen sowie der Zugang zu Sicherheitsbeauftragten fallen für Basisarbeitende deutlich geringer aus als für andere Beschäftigte. Sie erhalten auch seltener Schulungen zu Arbeitsschutzthemen. Auch Beschäftigtenvertretungen sind in der Basisarbeit weniger verbreitet.
Die meisten betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen erreichen weniger als die Hälfte der Basisarbeitenden. Entsprechend profitieren sie auch seltener von betrieblichen Gesundheitsangeboten. Die nachfolgende Abbildung zeigt, welche Maßnahmen zur Sicherheit und Gesundheit im Betrieb bei Basisarbeitenden im Vergleich zu Fachkräften ankommen.
Weiterlesen
Verschiedene Studien untersuchen die Beschäftigungsmerkmale, Arbeitsbedingungen und die gesundheitliche Situation der Basisarbeitenden aufbereitet. Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Programms in Monitoren übersichtlich aufbereitet.
Sie stehen hier zum Download bereit.
Quellen
- Arthur et al., 2023
- Brenscheidt et al., 2023
- Bundesagentur für Arbeit, 2024
- Bundesagentur für Arbeit, 2025
- Hall & Sevendik, 2020
- Hasselhorn et al., 2023
- Informationsdienst des IW, 2022
- Ittermann, 2023
- Seibert et al., 2021
- Seibert et al., 2022
- Seiler et al., 2021