In Debatten über die Zukunft der Arbeit wird den Arbeitsbedingungen von Beschäftigten im „Maschinenraum der Arbeitsgesellschaft“ nur wenig Beachtung geschenkt. Diese Tatsache ins Bewusstsein zu rücken und Handlungsansätze zur Gestaltung sicherer und gesunder Basisarbeit abzuleiten, steht im Zentrum der Debatte im Themenfeld.
Die Debatte im Themenfeld „Basisarbeit“
Der Arbeitsschutz gilt für alle Beschäftigten gleichermaßen. Der Themenschwerpunkt Basisarbeit verfolgt das Ziel, ihn für die circa 20 Prozent der Beschäftigten zu optimieren, die Tätigkeiten ohne Erfordernis einer formalen Qualifikation ausüben. Denn auch die Rahmenbedingungen für diese Tätigkeiten verändern sich. Optimierungspotenzial gibt es dabei schon heute genug, denn die Tätigkeiten sind oft geprägt von hoher körperlicher Anstrengung, außergewöhnlichen Arbeitszeiten und geringer Wertschätzung.
Die Arbeitsrealitäten im Blick:
Basisarbeit umfasst unterschiedliche Tätigkeiten. Für alle gilt, dass keine abgeschlossene und anerkannte Berufsausbildung erforderlich ist, um diese Tätigkeiten auszuüben. Verglichen mit anderen Beschäftigten sind Basisarbeitende überdurchschnittlich oft von ungesunden und unsicheren Arbeitsbedingungen betroffen, zum Beispiel:
- geringe Entlohnung und damit auch Alterssicherung
- hohe physische und psychische Belastung am Arbeitsplatz
- hohes Arbeitsvolumen bei gleichzeitigem Personalmangel
- Arbeit zu ungünstigen Zeiten (Nacht-, Schicht- oder Wochenendarbeit)
- geringe Weiterbildungsmöglichkeiten und Chancen zur Kompetenzentwicklung
- fest vorgegebene Abläufe und eng getaktete Prozesse mit wenig Handlungs- und Gestaltungsspielraum
- wenig betriebliche Mitbestimmung
- kaum Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- kaum Angebote für Integration und Inklusion
- nur selten Vertretung durch Betriebsräte
- häufig tätig in kleineren Betrieben ohne Tarifbindung
- Arbeitsplatzunsicherheit und Bedrohung des Arbeitsplatzes durch Automatisierung
- Auslagerung und/oder Leiharbeit
Ist Basisarbeit immer prekär?
Auch wenn die Beschäftigungsbedingungen vieler Basisarbeitenden als „prekär“ bezeichnet werden können, trifft dies keineswegs auf die Basisarbeit insgesamt zu. Insbesondere in Produktions-, aber auch in großen Dienstleistungsbetrieben, die an Tarifverträge gebunden sind, können auch an- und ungelernte Beschäftigte ein angemessenes Einkommen erzielen. Anders sieht es oft in Kleinbetrieben des Dienstleistungssektors aus.
Basisarbeit ist von jeher ein fester Bestandteil unserer Arbeitsgesellschaft und wird es voraussichtlich auch in Zukunft bleiben. Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil an Tätigkeiten, die von technologischen Assistenzsystemen unterstützt und ohne formale Qualifikation ausgeübt werden können, in Zukunft weiter zunehmen wird. Mit anderen Worten: Basisarbeit wird nicht verschwinden, denn die Betriebe werden auch in Zukunft Arbeitsplätze für un- und angelernte Beschäftigte anbieten. Forderungen nach Qualifizierung und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten für Basisarbeitende allein reichen also nicht aus. Sie müssen ergänzt werden um Aktivitäten zur Verbesserung von Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie zur Förderung von Anerkennung, Wertschätzung und Respekt – sowohl in Unternehmen als auch von Kund*innen und Patient*innen.
„Arbeit menschengerecht gestalten“
Im Februar 2024 lud das Programm ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG) prominente Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Journalismus ein, um die wirtschaftliche und soziale Bewertung von Basisarbeit und politische Ansatzpunkte zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu diskutieren. Lilian Tschan, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), eröffnete die Diskussion mit den Teilnehmenden. Franz Müntefering, Bundesminister für Arbeit und Soziales a. D., hielt ein Grußwort.
Handlungsansätze für sichere und gesunde Basisarbeit
Viele Tätigkeiten in der Basisarbeit sind körperlich fordernd, gesundheitlich belastend und mit Verletzungsgefahren verbunden. Vielerorts fehlt es an betrieblicher Gesundheitsförderung, ergonomischer Arbeitsplatzausstattung und struktureller Prävention. Neue Technologien können dafür Entlastung schaffen – aber auch zur Leistungsüberwachung eingesetzt werden.
Es gibt bereits heute erprobte Werkzeuge, um Basisarbeit menschengerecht zu bewerten und zu gestalten. Die integrierte und praxisnahe Bewertung von Misch- und Mehrfachbelastungen im Dienstleistungssektor bleibt trotzdem eine zentrale Herausforderung. Die Beschäftigungsfähigkeit verbessert sich nur dann nachhaltig, wenn betriebliche Arbeitsbedingungen gleichzeitig verbessert und individuelle Präventions-, Qualifikations- und Unterstützungsmaßnahmen erreicht werden.
Dazu gehört die Förderung und Gestaltung sicherer und gesunder Arbeitsbedingungen von Basisarbeit durch:
- die Durchsetzung, Kontrolle und Verbesserung des Arbeitsschutzes in Bezug auf Unfälle, Arbeitsumweltbelastungen und arbeitsmedizinische Vorsorge,
- die Arbeitsgestaltung in Bezug auf die Handhabung schwerer Lasten und ungünstige Körperhaltungen, auf monotone Arbeit, geringe Handlungs- und Entscheidungsspielräume sowie ungünstige Arbeitszeiten, Arbeitsintensität und Zeitdruck,
- die beteiligungsorientierte Beurteilung der Arbeitsbedingungen und Verbesserung der Interessenwahrnehmung, Beratung und Unterstützung.
„Gesunde Arbeitsgestaltung in der Basisarbeit“
Wie kann man Basisarbeit gesund und menschengerecht gestalten? Zu dieser Frage veranstaltete das BMAS in Kooperation mit der Gesellschaft für Arbeitswissenschaft (GfA) im Mai 2025 die Fachkonferenz „Gesunde Arbeitsgestaltung in der Basisarbeit“. Einen Überblick über praktikable Methoden zur Erfassung der Belastung in Basisarbeit wurde im Rahmen der Fachkonferenz zusammengestellt und diskutiert.
Basisarbeit gestalten
Das Programm nimmt die sichere und gesunde Gestaltung von Basisarbeit durch unterschiedliche Aktivitäten in den Blick. Ziel ist es, die Arbeitsbedingungen besser zu verstehen, gute Praxis sichtbar zu machen und Lösungsansätze für eine bessere Arbeitsgestaltung zu entwickeln.