Ungünstige Arbeitszeiten, hoher Leistungsdruck und wenig Wertschätzung sind einige Gründe, warum die Gebäudereinigungsbranche händeringend nach Arbeitskräften sucht. Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) haben über zwei Jahre in einem sozialpartnerschaftlichen Dialog nach Lösungen gesucht.
Gemeinsam für eine attraktive und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung in der Gebäudereinigungsbranche
Sozialpartner im Dialog über die Arbeitsgestaltung in der Gebäudereinigungsbranche
Arbeitskräfte durch eine attraktive, beschäftigtenfreundliche Arbeitsgestaltung für heute und morgen sichern – das liegt im Interesse der Gebäudedienstleister und der Gewerkschaft gleichermaßen, und kommt letztendlich der gesamten Gesellschaft in Deutschland zugute. Denn ohne Gebäudereinigung gibt es keine sauberen Schulklassen, ärztliche Praxen, Einkaufszentren, Bibliotheken oder Büros.
Auftraggeber und Kund*innen von Reinigungsdienstleistungen sowie Sozialpartner haben bei der verantwortungsvollen Gestaltung von Arbeit in der Gebäudereinigung viele positive Einflussmöglichkeiten. Deshalb hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die IG BAU und den BIV im Rahmen des Programms ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG) zu einem Austauschprozess eingeladen. Gemeinsam starteten die Sozialpartner im Februar 2024 einen intensiven Dialog zu Handlungsfeldern und Ideen, die eine attraktive und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung ermöglichen und die Arbeitskräftesicherung wirkungsvoll unterstützen.
Die Ergebnisse des Sozialpartnerdialogs sind in einer Charta festgehalten. In ihr stellen sich die Sozialpartner gemeinsam hinter folgende Ziele:
- Gute Vertragsgestaltung und -ausführung der Auftraggeber
- Wahrnehmung und Anerkennung der Personen und ihrer Arbeit
- Professionalität und eine arbeitnehmerfreundliche Arbeitsgestaltung
- Gegenseitiges Verständnis für die Leistungserbringung
- Attraktive Arbeitszeiten am Beispiel Tagesreinigung
- Gebäudereinigung als Einstieg und Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt
Charta für eine attraktive und zukunftsfähige Arbeitsgestaltung in der Gebäudereinigungsbranche
Mit der Unterschrift einigen sich die Unterzeichnenden, Betrieben und Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk bessere Bedingungen zu ermöglichen. Die Charta und die Möglichkeit, diese zu unterzeichnen, finden Sie bei der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA).

Stimmen der Initiatoren
Aufträge in der Gebäudereinigung werden oft an den günstigsten Anbieter vergeben. Daraus entsteht unverhältnismäßiger Preisdruck und ruinöser Wettbewerb zu Lasten der Beschäftigten. Deshalb treten wir gemeinsam für verbesserte Standards wie die Tagesreinigung ein. Die Charta kann dabei entscheidende Akzente für faire Arbeit und soziale Verantwortung setzen.
Tagesreinigung und damit verbundene, familienfreundlichere Arbeitszeiten sind ein wichtiger Schlüssel für die Personalgewinnung in unseren Betrieben. Ebenso entscheidend sind bessere Vergabeprozesse – gerade im öffentlichen Sektor darf nicht allein der Preis ausschlaggebend sein. Beides trägt wesentlich dazu bei, die Zukunftsfähigkeit unseres unverzichtbaren Handwerks zu sichern.
Weitere Erstunterzeichnende sind:
- Das Ministerium für Finanzen und Digitalisierung in Mecklenburg-Vorpommern
- Die Stadt Jena
- Die Kommunalen Immobilien Jena (KIJ)
Faktoren für eine attraktive und zukunftsfähige Gebäudereinigungsbranche
Die Erstunterzeichnenden zeigen, wie man den verschiedenen Herausforderungen in der Gebäudereinigungsbranche begegnen kann. Das Finanzministerium in Mecklenburg-Vorpommern hat 2023 in den Landesliegenschaften überwiegend Tagesreinigung eingeführt. Die Stadt Jena für einen großen Teil der städtischen Immobilien ebenfalls. Zeynep Bicici (IG BAU) und Wolfgang Molitor (BIV) berichten aus Sicht der Sozialpartner, was Arbeitnehmende aus ihrer Sicht für eine attraktive und zukunftsfähige Gebäudereinigungsbranche benötigen und welche Herausforderungen aktuell für Arbeitgebende bestehen.
Verteilung der Arbeitszeit und Umfang der Tagesreinigung in der Gebäudereinigungsbranche
Begleitend zu den Aktivitäten im Sozialpartnerprojekt wurde die Studie „Verteilung der Arbeitszeit und Umfang der Tagesreinigung in der Gebäudereinigungsbranche“ durchgeführt. In der Studie wurden die Arbeitszeiten und das Arbeitsmodell der Tagesreinigung untersucht und dafür 271 Gebäudereinigungsunternehmen befragt. Die Ergebnisse sind für die gesamte Gebäudereinigungsbranche repräsentativ. Sie deuten darauf hin, dass eine Ausweitung der Tagesreinigung den Arbeitskräftemangel in der Branche mindern könnte.

Weitere Aktivitäten
Veröffentlicht am 17. Sept. 2026 zum Thema: Basisarbeit