Die Arbeitswelt ist in ständiger Bewegung. Technologischer Fortschritt, demografisch bedingter Arbeitskräftemangel und fortschreitender Klimawandel verlangen nach neuen, zukunftsfähigen Lösungen für eine menschengerechte Arbeitsgestaltung. Hier setzt das Programm ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG) an.
Arbeitsschutz von morgen
Arbeit „ist so zu gestalten, dass eine Gefährdung von Leben möglichst vermieden wird“: Dieses festgeschriebene Recht nach dem Arbeitsschutzgesetz (§ 4 ArbSchG) sorgt dafür, dass wir vor Unfällen und Gefahren bei der Arbeit geschützt sind und ist für die allermeisten Beschäftigten heute eine Selbstverständlichkeit. Neben dem humanitären Aspekt erfüllt das Arbeitsschutzrecht auch eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion: Arbeitsschutz reduziert krankheitsbedingte Fehlzeiten und damit Folgekosten für die Sozialversicherungssysteme.
Damit der Arbeitsschutz seinen Zweck erfüllen kann, muss er laufend überprüft und optimiert werden. Das gilt nicht nur für den Arbeitsschutz in Betrieben, sondern auch für die Auslegung der allgemeinen Grundsätze im Arbeitsschutzgesetz. Was bedeutet es, im Kontext der Digitalisierung, einer veränderten Demografie und den Folgen des Klimawandels, die „Gefahren an ihrer Quelle zu bekämpfen“ (§ 4 Nr. 2 ArbSchG)? Welche Regeln und Leitplanken braucht es, damit das gelingt? Was bedeutet das für die Prinzipien menschengerechter Gestaltung von Arbeit: Was ist „ausführbar“, schädigungslos“, „zumutbar“ und „persönlichkeitsfördernd“ in einer sich wandelnden Arbeitswelt?
Das Programm ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG) bietet eine Plattform zur Debatte über die konkreten Auswirkungen der Entwicklungen in der Arbeitswelt auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Dabei geht es immer auch darum, das bestehende und gewachsene Regelwerk risikobasiert und anwenderfreundlich zu optimieren und den Arbeitsschutz besser mit anderen Bereichen der Prävention zu vernetzen. Dafür braucht es den Dialog zwischen den Akteur*innen im Arbeitsschutz, der Wissenschaft, der Politik und Praxis. Nur gemeinsam lassen sich Veränderungsprozesse in ihrer Bedeutung und Entwicklung erfassen, potenzielle Regelungslücken identifizieren und Vorschläge für Optimierungen und notwendige Updates des Regelwerks erarbeiten.
Im Zentrum des Programms stehen aktuell vier Themenfelder als Überschriften für dynamische Veränderungen, die verschiedene Fragestellungen für den Arbeitsschutz bereithalten.
Aktuelle Themenfelder
Mobile, flexible und hybride Arbeitsmodelle sind nach der Pandemie fester Bestandteil der Arbeitswelt. Mit zunehmender zeit-und ortsflexibler Arbeit ergeben sich neue Herausforderungen an die Raum- und Flächengestaltung, für die Arbeitsorganisation und die Kontrolle der bestehenden Schutzziele.

Auch der Klimawandel stellt neue Anforderungen an den Arbeitsschutz: Zunehmende Hitzebelastung und UV-Strahlung, mehr Allergene und häufigere Extremwetterlagen erfordern wirksame Schutzkonzepte. Diese werden nicht nur für Arbeiten im Freien – zum Beispiel in der Baubranche oder Landwirtschaft – benötigt, sondern auch im Dienstleistungsbereich wie der Logistik oder Pflege. Aber auch für Bürotätigkeiten ergeben sich neue Herausforderungen.

Mit sich wandelnden Arbeitsbedingungen verändern sich über Branchen und Hierarchieebenen hinweg stets auch die potenziellen Gefährdungen für die psychische Gesundheit – genauso wie die Gestaltungsmöglichkeiten zu ihrem Schutz. Um psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz zu minimieren, braucht es den kontinuierlichen Austausch und das Zusammenwirken aller Akteure, die mit dem Schutz, der Förderung und Wiederherstellung der psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt betraut sind.

Der Arbeitsschutz gilt für alle Beschäftigten gleichermaßen. Der Themenschwerpunkt Basisarbeit verfolgt das Ziel, ihn für die circa 20 Prozent der Beschäftigten zu optimieren, die Tätigkeiten ohne Erfordernis einer formalen Qualifikation ausüben. Denn auch die Rahmenbedingungen für diese Tätigkeiten verändern sich. Optimierungspotenzial gibt es dabei schon heute genug, denn die Tätigkeiten sind oft geprägt von hoher körperlicher Anstrengung, außergewöhnlichen Arbeitszeiten und geringer gesellschaftlicher Wertschätzung.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz revolutionieren Arbeitsprozesse: Sie ermöglichen präzisere Gefährdungsanalysen, intelligente Assistenzsysteme und datenbasierte Prävention. Gleichzeitig entstehen neue Gefährdungen, etwa durch algorithmische Entscheidungen, Überwachung oder digitale Überforderung.
