Der Klimawandel verändert die Arbeitswelt. Mit Hitze, Extremwetter, UV-Strahlung, neuen Allergenen und Gefahrstoffen bringt er auch neue Gefährdungen für die Gesundheit von Beschäftigten mit sich. Im vom BMAS geförderten Projekt „ARBEIT: SICHER + GESUND im Klimawandel (ASUG-Klima)“ untersuchte ein Konsortium aus Wissenschaftler*innen, Politikberater*innen und Kommunikationsexpert*innen, welche Berufsgruppen besonders betroffen sind und entwickelte gemeinsam Lösungen für menschen- und klimagerechte, sichere Arbeit.
Sichere und gesunde Arbeit in Zeiten des Klimawandels
Rund 45 Millionen erwerbstätige Menschen in Deutschland verbringen einen großen Teil ihrer Zeit auf der Arbeit. Der Klimawandel und die Anpassung von Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigen die Menschen gerade auch hier. Eine wichtige Fragestellung ist deshalb, wie Betriebe und Beschäftigte auf dem Weg zu klima- und menschengerechtem Arbeiten unterstützt werden können.
Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) im Rahmen des Programms ARBEIT: SICHER + GESUND geförderte Forschungs- und Transferprojekt ASUG-Klima widmete sich grundlegenden Fragestellungen:
- Welche Berufs- und Tätigkeitsgruppen sind von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen?
- Welche Risiken gibt es bereits und welche kommen in Zukunft auf uns zu?
- Welche Themen werden in der sozial- und arbeitspolitischen Debatte diskutiert?
- Welchen Rechtsrahmen gibt es bereits für den Kontext von Klimawandel und Arbeitsschutz und wie sollten Regelungen weiterentwickelt werden?
Ein ganzheitliches Bild der Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeitswelt
Dem Projektteam waren vor allem drei Dinge wichtig. Erstens: eine wissenschaftlich fundierte Analyse mit Fachexpertise und Stimmen aus der Praxis. Zweitens: ein ganzheitlicher Blick auf die Arbeitswelt – denn bisher wurden meist nur spezielle Fragestellungen oder enge Bereiche und Berufsgruppen in Bezug auf den Klimawandel betrachtet und nicht das gesamte „System Arbeit“. Und drittens: wirklich ins Handeln zu kommen. Gemeinsam mit Akteuren der Arbeitswelt erarbeitete, diskutierte und erprobte das Projekt Lösungen für sicheres, gesundes und menschengerechtes Arbeiten heute und in Zukunft vor dem Hintergrund des Klimawandels.
Mit diesem breit angelegten Ansatz vereinte das Projekt wichtige Hebel für erfolgreiche Transformation – nämlich Wissen, Können und Wollen.
Ein Team mit breit gefächerten Kompetenzen

Durchgeführt wurde das Projekt von einem Konsortium mit Partner*innen aus verschiedenen Bereichen. Die Projektkoordination übernahm das Centre for Planetary Health Policy (CPHP) der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e. V. Dort arbeiten Expert*innen an der Beratung politischer Entscheidungsträger auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Lehrstuhl für Arbeitssicherheit an der Bergischen Universität Wuppertal brachte Fachwissen in puncto Arbeitssicherheit mit ein und trug die Projektergebnisse im Rahmen der Lehre direkt an angehende Sicherheitsingenieur*innen weiter.
Mit dem BKK Dachverband und der DAK Gesundheit kamen zwei Akteure aus dem Gesundheitssystem hinzu, die fundierte Praxiserfahrung aus dem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) mitbrachten und die Erkenntnisse in die Betriebe weitertragen konnten. Außerdem wirkte die NGOCradle to Cradle – Wiege zur Wiege e. V. mit, die sich mit praxistauglichen Lösungen beschäftigt, welche wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit mit einer Förderung des Wohlbefindens von Beschäftigten verbinden.
Zusammen stellte das Projektkonsortium umfangreiche Expertise in den Themen Arbeitsschutz, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Arbeitskultur und -organisation, (Weiter-)Bildung und Kommunikation für das Projekt bereit.
ASUG-Klima in der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“
Das Projekt war eng angebunden in der Konzeption, Durchführung und Evaluation der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“. Hier diskutierten mehr als 120 Expert*innen interdisziplinär über Auswirkungen des Klimawandels auf die Arbeitswelt und mögliche Lösungswege. Das Projekt ASUG-Klima beteiligte sich an der inhaltlichen Gestaltung der Politikwerkstatt und erweiterte so den Blick auf Herausforderungen und Lösungen um weitere Perspektiven. Anlässlich des bundesweiten Hitzeaktionstages veranstaltete das Projektteam zusammen mit dem BMAS eine Online-Veranstaltung, 2025 zum Thema „Arbeiten in heißen Zeiten: Psychische Belastungen, besonders betroffene Berufsgruppen und zeitgemäße Hitzeschutzpläne“.
Auch 2026 steht findet im Rahmen des Hitzeaktionstags eine offene Informationsveranstaltung statt. Schwerpunkte werden die eingeschränkte Produktivität durch Hitzebelastung und der umso höheren Wert eines betrieblichen Hitzeschutzplans sein.
Handlungshilfe für Betriebe
Ein Ergebnis des Projekts ist die Handlungshilfe für betriebliche Hitzeschutzpläne. In sechs übersichtlichen Schritten erklärt sie Betrieben, wie sie einen wirksamen Hitze- und UV-Schutzplan entwickeln. Jeder Schritt wird durch ein Paket mit ausführlichen Informationen, Tabellen und Vorlagen ergänzt. Die Handlungshilfe wurde vor ihrer Veröffentlichung in fünf Unternehmen erprobt.
Gutachten: Anforderungen des Arbeitsschutzes für Risikogruppen durch Klimawandelfolgen
Es gibt unterschiedliche Faktoren, die Beschäftigte anfälliger für Hitze machen. Diese Risikofaktoren können sich aus den Arbeitsbedingungen ergeben, aber auch individuelle Voraussetzungen können die Beanspruchung durch Hitze erhöhen. Im Rahmen der Politikwerkstatt ermittelte ASUG-Klima hier einen tiefergreifenden Forschungsbedarf. Auf dieser Basis beauftragte das BMAS ein Gutachten bei der BUW. Es beleuchtet die Zusammenhänge und leitet entsprechende Empfehlungen ab.
Das Zusammenbringen so vieler unterschiedlicher Perspektiven und Expertisen war die große Stärke des Projekts. Wir bedanken uns für viele praxisrelevante und zukunftsgerichtete Impulse.