Inhalt
Dekorativ

Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt

Der Klimawandel hat messbaren Folgen für Produktivität, Gesundheit und Sicherheit von Beschäftigten. Das zeigt das kürzlich veröffentlichte Gutachten „Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt“. Die Ergebnisse zeigen erstmals systematisch, welche ökonomischen Verluste hitzebedingte Produktivitätsverluste, Arbeitsunfälle und Krankheitsausfälle in Deutschland verursachen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat das Gutachten im Rahmen der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ bei der Prognos AG beauftragt. Die Ergebnisse machen deutlich: Vorbeugender Arbeitsschutz ist ein zentraler Hebel der Klimaanpassung und wirtschaftlichen Resilienz. Das Gutachten zeigt, warum Hitze vor allem ein stiller Produktivitätsfaktor ist, welche Branchen besonders betroffen sind und welche Milliardenkosten drohen. Zudem zeigt es politische Handlungsempfehlungen und Maßnahmen im Bereich des Arbeitsschutzes auf, um diese Entwicklungen einzudämmen.

Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt. Ökonomische Verluste und die strategische Rolle des Arbeitsschutzes bei der Klimaanpassung.

Zum Gutachten [Download]

Wirtschaftliche Folgen von Hitze

Das Gutachten analysiert die hitzebedingten Kosten für Unternehmen in den drei Bereichen Produktivitätsverluste, Arbeitsunfälle sowie Ausfälle durch hitzebedingte Erkrankungen. Die Ergebnisse zeigen: Bereits heute sind die Kosten erheblich sind und werden sich durch den Klimawandel immer weiter verschärfen.

Die direkten betriebswirtschaftlichen Kosten eines einzelnen Hitzetages belaufen sich auf rund 431 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich zu 97 Prozent um Verluste, die auf verminderte Produktivität zurückzuführen sind. Das zeigt, dass Hitze vor allem als „stiller Produktivitätsfaktor“ wirkt: Die meisten Beschäftigten arbeiten weiter, jedoch weniger effizient. Zusätzlich entstehen durch hitzebedingte Erkrankungen und Unfälle rund 13 Millionen Euro Mehrkosten sowie insgesamt 76.500 Fehltage. Für den Zeitraum 2031 bis 2060 werden fünf bis zehn zusätzliche heiße Tage pro Jahr erwartet werden. Dadurch steigen die jährlichen Gesamtkosten rund 4 bis 9 Milliarden Euro an, wenn keine tiefgreifenden Maßnahmen zum Hitzeschutz ergriffen werden.

Besonders betroffen sind süddeutsche Bundesländer wie Bayern oder Baden-Württemberg. Diese haben eine höhere zu erwartende Hitzebelastung und eine stark industrielle Struktur. Auch Branchen sind unterschiedlich stark betroffen. Wirtschaftsbereiche mit hoher körperlicher Belastung, Arbeit im Freien oder eingeschränkten Anpassungsmöglichkeiten sind durch Hitzeauswirkungen besonders belastet. Dazu zählen unter anderem Land- und Forstwirtschaft, Baugewerbe, verarbeitendes Gewerbe, Verkehr und Lagerei.

Als Hitzetag beschreibt das Gutachten einen Tag mit einer Maximaltemperatur von 30 Grad Celsius oder mehr. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen einen konsequenten Anstieg der Hitzetage.

Datenbasis

Um die betriebs- und volkswirtschaftliche Datengrundlage zu schaffen, wurden Daten des Statistischen Bundesamtes, des Deutschen Wetterdienstes und der Bundesagentur für Arbeit herangezogen. Dazu gehörten unter anderem der Stundenlohn nach Wirtschaftszweig, die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten und die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden nach Branche.

Arbeitsschutz als wirksame Klimaanpassung

Die Ergebnisse zeigen eines besonders: Präventiver Arbeitsschutz im Kontext des Klimawandels ist nicht nur gesundheitlich notwendig, sondern auch aus wirtschaftlich. Das Potenzial, das der Arbeitsschutz als strategischer Ansatz der Klimaanpassung hat, bleibt bisher ungenutzt. Die Auswahl geeigneter Hitzeschutzmaßnahmen ist von betrieblichen Anforderungen abhängig. Eine zentrale Grundlage ist deshalb die Gefährdungsbeurteilung. Auch die frühe Beteiligung der Beschäftigten, das Zusammenwirken von Geschäftsleitung und Arbeitsschutzakteuren sowie eine kontinuierliche Kommunikation tragen zu einer erfolgreichen betrieblichen Hitzeprävention bei.

Das Gutachten enthält eine ausführliche Aufbereitung der klimabedingten Folgen für die Arbeitswelt, des rechtlichen und administrativen Rahmens, Maßnahmen und Best-Practice, politische Handlungsempfehlungen sowie weitere Forschungsbedarfe im Themenfeld „Klimawandel und Arbeitsschutz“.

Weitere Artikel

  • Klimawandel
    Aktivitäten
    Erfolgsfaktor betriebliche Klimaresilienz: Sicher und gesund in die Zukunft
    Zum Artikel
  • Klimawandel
    Aktivitäten
    Hitze verstehen: Definition, Risiken und Arbeitsschutz
    Zum Artikel
  • Klimawandel
    Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb
    Zum Artikel