Immer mehr Bestellungen, immer mehr Pakete: Beschäftigte in der Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) sind erheblichen körperlichen Belastungen ausgesetzt. Das neue Forschungsprojekt der MTM ASSOCIATION e. V. und der MotionMiners GmbH möchte Arbeitsprozesse der KEP-Branche analysieren und Maßnahmen für einen gezielteren Arbeitsschutz ableiten.
Projektvorstellung: Gute Basisarbeit im Dienstleistungsbereich

Hohes gesundheitliches Risiko für Beschäftigte
Beschäftigte in der KEP-Branche stemmen täglich enorme körperliche Belastungen unter Zeitdruck. Sie heben 150 bis zu 300 Pakete am Tag (Stand: 2023). Die Pakete wiegen dabei zwischen 500 Gramm und 31,5 Kilogramm. Gleichzeitig herrscht ein spürbarer Arbeitskräftemangel in der Branche. Das Arbeitsaufkommen wird höher – und damit auch das Risiko für Überlastungen, gesundheitliche Beschwerden und Muskel-Skelett- Erkrankungen. Die Branche benötigt deshalb einen Arbeitsschutz, der gezielt darauf ausgerichtet ist, Belastungen zu erkennen und Überlastungen frühzeitig zu verhindern.
Basisarbeit in der KEP-Branch
Der Monitor zeigt die Arbeit in der KEP-Branche aus der Perspektive der Beschäftigten. Er basiert auf qualitativen Interviews und liefert damit wertvolle Einsichten und Hintergründe.
Gesunde Arbeitsgestaltung durch wissenschaftliche Analysen
Das geplante Forschungsprojekt der MTM ASSOCIATION e. V. und der MotionMiners GmbH möchte eine Methode weiterentwickeln, mit der Arbeitsprozesse im Bereich der KEP-Branche verbessert werden können. Der erste Ansatz der Methode entstand in der Vorstudie „Arbeitsbelastung auf der letzten Meile“.
Pilotstudie „Arbeitsbelastung auf der letzten Meile“
Die Forschungsprojekte von REFA sowie von MTM ASSOCIATION e. V. und MotionMiners GmbH untersuchten Arbeitsanforderungen auf der sogenannten „letzten Meile” der Paketauslieferung. Bewegungsanalysen und ganzheitliche Analysen der Arbeitssysteme liefern ein realistisches Bild des Arbeitsalltags, auf dessen Basis Ansatzpunkte für die gesündere Arbeitsgestaltung abgeleitet werden. Die Projekte liefern so nicht nur wissenschaftlich fundierte, sondern vor allem praxisnahe Impulse für bessere Bedingungen in der Basisarbeit.
Das Forschungsprojekt verwendet bewährte Methoden zur Arbeitsgestaltung (MTM-Verfahren) und ergänzt sie mit KI-basierten Prozessbeobachtungstechnologien (Motion-Mining®).
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Methods-Time Measurement / Methodenzeit-Messung (MTM)
Methods-Time Measurement / Methodenzeit-Messung (MTM)
MTM ist ein zeitwirtschaftliches Verfahren zur Analyse und Planung von Arbeitsabläufen. Es zerlegt eine Tätigkeit in kleinste Bewegungsabläufe, für die jeweils durch Bewegungsstudien ermittelte, einheitliche Zeitwerte vorliegen. Auf dieser Basis errechnet MTM effiziente und realistische Zeitvorgaben für Aufgaben in der KEP-Branche. Zusammen mit dem Ergonomic Assessment Worksheet (EAWS ®), welches ergonomische Risiken für die Tätigkeit ermittelt, kann MTM eine wirtschaftliche und menschenzentrierte Arbeitsgestaltung ermöglichen.
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Motion-Mining®
Motion-Mining®
Motion-Mining® erfasst Arbeitsprozesse von manuellen Tätigkeiten anhand von Sensoren, die von den Mitarbeitenden getragen werden (sogenannte Wearables) und an Fahrzeugen angebracht werden. Die Daten werden über mehrere Tage anonymisiert gesammelt. Eine KI-gestützte Software wertet die Bewegungsdaten aus und übersetzt diese in Arbeitsschritte und Abläufe. Auf dieser objektiven Basis können Arbeitsabläufe effizienter und belastungsoptimierter gestaltet werden.
Soll-Ist-Vergleich der körperlichen Belastungen
Im Mittelpunkt des geplanten Forschungsprojekts steht die systematische Erhebung von Bewegungs-, Prozess- und Belastungsdaten aus realen Arbeitsabläufen in der Kurier-, Express- und Paketbranche. Dazu werden typische Zustellprozesse bei mehreren KEP-Dienstleistern unter Praxisbedingungen analysiert, um belastbare Ist-Daten zu körperlichen Beanspruchungen, Bewegungsmustern, Zeitanteilen und organisatorischen Einflussfaktoren zu gewinnen. Die Studie schafft damit eine fundierte Datengrundlage, um Arbeitsrealitäten in der Zustellung objektiv und vergleichbar abzubilden.
Auf Basis dieser Erhebungen werden die realen Arbeitsabläufe mit modellierten Soll-Prozessen aus MTM-UAS® und MTM-LOG® sowie ergonomischen Bewertungsverfahren wie EAWS® verglichen. Das Projekt ermöglicht differenzierte Ergebnisse, an welchen Stellen Abweichungen zwischen Soll und Ist auftreten, welche Tätigkeiten mit besonders hohen körperlichen Belastungen verbunden sind und welche Faktoren die Beanspruchung zusätzlich verstärken oder verringern. So entstehen konkrete Erkenntnisse zu Prozessgestaltung, Taktung und ergonomischen Anforderungen im Arbeitsalltag der KEP-Praxis.
Zusätzlich möchte das Projekt Referenzdaten für typische KEP-Prozesse ableiten. Die erhobenen Daten sollen eine Grundlage für gezielte Arbeitsschutzmaßnahmen, für die Weiterentwicklung von Bewertungs- und Planungsmethoden sowie für praxisnahe Handlungsempfehlungen in den beteiligten Unternehmen schaffen. Das Projekt liefert damit nicht nur eine Beschreibung der aktuellen Belastungssituation, sondern auch eine belastbare Grundlage, mit der Arbeitsbedingungen systematisch verbessert und Überlastungen frühzeitig reduziert werden können.