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Projektvorstellung: Gute Basisarbeit im Dienstleistungsbereich

Basisarbeitende leisten gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit, die gleichzeitig oft körperlich und psychisch belastend ist. In arbeitsmarktpolitischen Debatten gerät insbesondere Basisarbeit im Dienstleistungsbereich oft in den Hintergrund. Das neue Forschungsprojekt des Progressiven Zentrums möchte deshalb herausfinden: Welche Faktoren tragen dazu bei, dienstleistungsbezogene Basisarbeit gesellschaftlich aufzuwerten und die Arbeit menschengerechter zu gestalten?

Basisarbeitende – systemrelevant und oft übersehen

Fast 20 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland sind Basisarbeitende. Sie bewegen Waren, halten Büros, Bahnhöfe oder Schulen sauber und sorgen dafür, dass Lieferungen pünktlich ankommen. Auch in der Pflege sowie in anderen sozialen Berufen sind Helfer*innen eine unverzichtbare Stütze, indem sie Fachkräfte entlasten und für das Wohl der betreuten Menschen sorgen. Sie arbeiten zu großen Teilen in gesellschaftlich unverzichtbaren, sogenannten systemrelevanten, Berufen.

Die Beschäftigten in Berufen der Basisarbeit finden oft wenig Beachtung. Insbesondere dienstleistungsbezogene Basisarbeit erfährt in aktuellen arbeitsmarktpolitischen Debatten eine doppelte Unsichtbarkeit: Die Diskussion um die Zukunft der deutschen Wirtschaft konzentriert sich nicht nur in erster Linie auf den Erhalt von Industriearbeitsplätzen, sondern auch auf die Sicherung von qualifizierten Fachkräften. An- und ungelernte Dienstleistungsarbeit spielt in diesen Debatten kaum eine Rolle – obwohl über 85 Prozent der Basisarbeit im Dienstleistungsbereich stattfindet und Beschäftigte dort häufig unter besonders unsicheren und belastenden Bedingungen arbeiten.

Infobox Basisarbeit

Basisarbeit beschreibt Tätigkeiten, die keine spezielle berufliche Qualifikation erfordern. Stattdessen erfolgt in der Regel eine praktische Einweisung direkt am Arbeitsplatz. Trotz der oft fachlich einfachen Anforderungsprofile setzt Basisarbeit Einsatzbereitschaft, Zuverlässigkeit sowie psychische und körperliche Belastbarkeit voraus und verlangt den Beschäftigten viel ab.

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Wie gelingt die Aufwertung von Basisarbeit im Dienstleistungsbereich?

Das Progressive Zentrum (DPZ) untersucht im Rahmen des Förderschwerpunkts „Gesunde Arbeit für körperlich stark belastete Berufsgruppen“, welche Faktoren helfen, Basisarbeit menschengerecht zu gestalten. Dafür untersucht das Projekt Beispiele aus der Praxis und leitet daraus Bedingungen ab, die die Aufwertung von Basisarbeit in Dienstleistungsberufen ermöglichen. Untersucht werden die Dimensionen Arbeitsplatzsicherheit und Entlohnung, Teilhabe und Mitbestimmung, Wertschätzung und Sichtbarkeit, Weiterbildung sowie Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Dimensionen guter Basisarbeit

Die Auswahl der Dimensionen guter Basisarbeit stützt sich neben theoretischen Grundlagen wie dem Handlungsrahmen „Gute Basisarbeit“ auf die Ergebnisse der Studie „Die Unverzichtbaren“ der Workshopreihe „Denkraum Basisarbeit“. Sie waren Teil des Forschungsprojekts „Basisarbeit in der Transformationsgesellschaft“ aus der vorangegangenen Projektförderung. Das DPZ hat die Ergebnisse und politische Handlungsansätze zur Aufwertung von Basisarbeit in dem Policy Paper „Arbeit und Demokratie an der Basis“ zusammengefasst.

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Das Projekt untersucht die Beispiele aus der Praxis anhand folgender Fragestellungen:

  • Wie können Betriebe zusammen mit ihren Beschäftigten Maßnahmen für gesunde, sichere und selbstbestimmte Basisarbeit entwickeln und umsetzen?
  • Welche Ressourcen (zum Beispiel Zeit, Budget, Personal oder Expertise) müssen vorhanden sein, damit Betriebe solche Maßnahmen umsetzen und nachhaltig verankern können?
  • Wie können die Sozialpartner sicherstellen, dass Beschäftigte bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Aufwertung von Basisarbeit einbezogen werden? 
  • Welche Rolle spielen betriebliche Mitbestimmung, die Einbindung von Beschäftigten und gute Kommunikation für die Wirksamkeit und Akzeptanz der Maßnahmen?
  • Welche politischen Rahmenbedingungen fördern beziehungsweise hemmen die Umsetzung von Maßnahmen zur Aufwertung dienstleistungsbezogener Basisarbeit?

Das Projektvorhaben ist in folgende Schritte gegliedert:

  • Analyse: Praxisorientierte Case Study

    Im Rahmen einer Case Study betrachtet das DPZ drei erfolgreich umgesetzte Praxisbeispiele zur Aufwertung von Basisarbeit in Dienstleistungsberufen. Das können Initiativen von Unternehmen oder Beschäftigten oder Beispiele guter sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit sein. Das DPZ führt zu jedem Fallbeispiel mindestens drei qualitative Interviews mit einer beteiligten Management-Vertretung, dem Betriebs- oder Personalrat und Beschäftigten durch.

  • Transfer: Policy Werkstatt zur Übertragung in Praxis und Politik und Entwicklung von Handlungsansätzen

    Die Ergebnisse der Interviews werden zusammen mit Arbeitsmarktexpert*innen aus Wissenschaft, Politik, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft in einer Policy Werkstatt ausgewertet. In dem halbtägigen Präsenzworkshop erarbeiten die Teilnehmenden, welche Faktoren die Umsetzung der Ansätze gefördert oder gehemmt haben, inwiefern sie sich auf andere Betriebe und Branchen übertragen lassen und welche Handlungsvorschläge für Politik und Gewerkschaften sich daraus ergeben. Das DPZ hält die Ergebnisse abschließend in einer praxis- und lösungsorientierten Studie fest.

  • Kommunikation: Veröffentlichung und Verbreitung der Ergebnisse

    Zur Veröffentlichung der Studie werden die zentralen Ergebnisse im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt und die Handlungsvorschläge für Betriebe, Gewerkschaften und Politik mit den Teilnehmenden diskutiert. Die Veranstaltung richtet sich an betriebliche und überbetriebliche Akteure der Basisarbeit, des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, Sozialpartnern, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Das Projekt möchte die Studie darüber hinaus auf diversen thematisch geeigneten Veranstaltungen vorstellen und so die Ergebnisse in die arbeitsmarktpolitische Debatte einbringen.

Projektleitung

  • Portrait Johanna Siebert

    Johanna Siebert

    Politökonomin und Senior Projektmanagerin

  • Das Progressive Zentrum

    Gute Basisarbeit im Dienstleistungssektor

  • Portrait Mara Buchstab

    Mara Buchstab

    Politikwissenschaftlerin und Projektmanagerin