Wenn es um die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlbefinden von Beschäftigten geht, ist der Schutz vor Hitze essenziell. Häufig stehen Betriebe jedoch vor der Frage, wie sie Hitzeschutz systematisch und sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe integrieren können. Ein betrieblicher Hitzeschutzplan ist der erste wichtige Schritt. Im Rahmen des Programms ARBEIT: SICHER + GESUND (ASUG) hat Projektpartner KLUG e.V. eine Handlungshilfe für betriebliche Hitzeschutzpläne erstellt und erfolgreich erprobt.
Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb
Ein betrieblicher Hitzeschutzplan stellt sicher, dass die Gesundheit der Beschäftigten geschützt, Arbeitsabläufe aufrechterhalten und damit Qualitätsverluste und Ausfälle vermieden werden. Er hilft Betrieben dabei, wirtschaftliche Schäden, die durch Hitze entstehen können, abzuwenden und die Anforderungen des Arbeitsschutzes zuverlässig einzuhalten.
Handlungshilfe zur Erstellung eines betrieblichen Hitzeschutzplans
Die Handlungshilfe bietet Betrieben eine praktische Grundlage, um einen betrieblichen Hitzeschutzplan zu erstellen oder anzupassen. Das dazugehörige Basisdokument fasst die erfolgreiche Entwicklung in sechs Schritten zusammen. Ergänzt wird jeder Schritt durch ein Paket mit ausführlichen Informationen, Tabellen und Vorlagen.
Die ausführliche Handlungshilfe finden Sie auf der Website von KLUG e.V.
Die Handlungshilfe beschreibt in sechs übersichtlichen Schritten, wie Betriebe einen wirksamen Hitzeschutzplan entwickeln. Im ersten Schritt werden relevante betriebliche Akteure eingebunden und für das Thema sensibilisiert. Schritt zwei gliedert Arbeitsbereiche und Beschäftigtengruppen nach Belastungen. Im dritten Schritt folgen die Dokumentation und Beurteilung der Hitze- und UV-Belastung. Auf dieser Basis werden in Schritt vier technische, organisatorische und personenbezogene (TOP) Maßnahmen festgelegt, umgesetzt und im nächsten Schritt kommuniziert. Der letzte Schritt ist die regelmäßige Überprüfung und Anpassung des Plans.
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Schritt 1: Relevante Personen identifizieren und sensibilisieren
- Arbeitsgruppe oder zuständiges Team benannt und Auftrag zum Hitzeschutzplan erhalten
- Aufgaben und Zuständigkeiten dokumentiert
- Führungskräfte und Geschäftsleitung eingebunden
- Themen in bestehende Strukturen von Arbeitsschutz und betrieblicher Gesundheitsförderung integriert
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Schritt 2: Arbeitsbereiche und Tätigkeiten clustern
- Arbeitsbereiche mit möglicher Hitze- und UV-Belastung identifiziert
- Bereiche z. B. nach Innen-, Außenarbeit und Fahrzeugen geclustert
- Tätigkeiten nach Arbeitszeit, Tätigkeitstyp oder technischen Bedingungen differenziert
- besonders betroffene Beschäftigtengruppen berücksichtigt
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Schritt 3: Hitze- und UV-Belastungen erfassen und beurteilen
- Hitze- und UV-Belastungen erfasst, im Hitzeschutzplan dokumentiert und im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt
- besonders gefährdete Tätigkeiten oder Personengruppen identifiziert
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Schritt 4: Maßnahmen festlegen
- bestehende Maßnahmen überprüft und ergänzt
- zusätzliche geeignete Schutzmaßnahmen auf Basis der Gefährdungsbeurteilung ausgewählt
- Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen für Schutzbefohlene oder Schutzgüter überprüft
- Maßnahmen nach dem TOP-Prinzip priorisiert
- Beschäftigte bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen einbezogen
- kurzfristige und langfristige Maßnahmen kombiniert
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Schritt 5: Maßnahmen kommunizieren
- Hitze- und UV-Schutz in bestehende Kommunikationswege und -anlässe integriert
- Unterweisungen oder Schulungen zur langfristigen Sensibilisierung durchgeführt
- Kommunikationsabläufe für akute Hitzeperioden oder extreme UV-Belastung festgelegt
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Schritt 6: Maßnahmen evaluieren und fortschreiben
- Zusammenarbeit und Zuständigkeiten in der Arbeitsgruppe überprüft
- Akzeptanz und Umsetzung von Maßnahmen im Betrieb bewertet
- Funktionsweise von Kommunikationswegen überprüft
- neue Risiken oder Tätigkeiten berücksichtigt, falls vorhanden
- Wirksamkeit des Hitzeschutzplans überprüft und Verbesserungsmöglichkeiten für Maßnahmen oder Prozesse festgelegt
Die Entwicklung der Handlungshilfe
Die Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ identifizierte den Bedarf nach einer Anleitung für Hitzeschutzpläne in Betrieben. Unter der Leitung von KLUG e. V. wurde daraufhin in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal, der ecolo Agentur für Ökologie und Kommunikation, der DAK-Gesundheit und dem BKK Dachverband die Handlungshilfe erarbeitet.
Um die Handlungshilfe zu erstellen, analysierte das Team zunächst bestehende Hitzeschutzpläne und Handlungshilfen und führte Interviews mit Expert*innen aus dem betrieblichen Hitzeschutz. Dabei identifizierten sie verschiedene Anforderungen an die Handlungshilfe, wie etwa den Umfang sowie einen an die Gefährdungsbeurteilung angelehnten Erstellungsprozess. Dieser ist wichtig, damit die Inhalte aus der Gefährdungsbeurteilung direkt in den Hitzeschutzplan einfließen und umgekehrt.
Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) e. V.
KLUG e. V. ist ein Netzwerk aus Expert*innen, wissenschaftlichen Einrichtungen und zahlreichen Akteuren des Gesundheitssektors. Es möchte Menschen befähigen, den notwendigen Wandel zu einer klimagerechten Gesellschaft mitzugestalten. Es handelt nach dem wissenschaftlichen Konzept der Planetary Health: Der Mensch kann nur gesund sein, wenn die Erde es auch ist.
Erprobung in fünf verschiedenen Unternehmen
Die Handlungshilfe wurde im Rahmen einer Pilotphase getestet. Dafür wählte das Team fünf Erprobungsunternehmen aus verschiedenen Branchen, die auf Basis der Handlungshilfe eigene Hitzeschutzpläne erstellten:
- Landratsamt Eichstätt
- WEVG Salzgitter GmbH & Co. KG
- AXA Konzern GmbH
- Pflegedienst Heimatherz
- BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin
Begleitet wurde der Prozess durch verschiedene Veranstaltungen und Workshops zu den Themen „Klimawandel und seine Bedeutung für die Arbeitswelt“, „Hitzeschutz“ und „Kommunikation“. Abschließend fand eine Feedbackveranstaltung zur Handlungshilfe statt. Mit den Verbesserungsvorschlägen der Erprobungsunternehmen wurde die Handlungshilfe in einem letzten Schritt überarbeitet. Dabei wurden zum Beispiel das Thema UV-Strahlung und branchenspezifische Beispiele integriert.
Entstanden ist das Basisdokument als Kompaktversion der Handlungshilfe, das durch Verlinkungen auf weiterführende Informationen sowie Paketen mit ausführlichen Informationen, Tabellen und Vorlagen ergänzt wird.
Erfahrungen aus der Praxis
Die Erprobungsunternehmen bewerteten die Handlungshilfe sehr positiv. Im Rahmen der Sonderveranstaltung am 26. November 2025, in der die Ergebnisse des Projekts vorgestellt wurden, teilten mehrere Pilotunternehmen ihre Erfahrungen mit der Handlungshilfe sowie Tipps für die Erstellung eigener Hitzeschutzpläne.
Mein Tipp ist immer, einen partizipativen Ansatz zu wählen. Auch wenn ich aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit der Meinung bin, dass ich manche Dinge gut kenne, würde ich immer in die einzelnen Bereiche reingehen und die Mitarbeitenden mitbestimmen lassen. Dann sehen sie: Da habe ich etwas angesprochen, das gleich mit aufgenommen wurde, da passiert etwas.


Jennifer Chmurcyk
Jeder Betrieb braucht einen projektverantwortlichen Treiber. Denn: Alle finden das Thema immer wichtig, aber meist erst dann, wenn es schon zu spät ist, nämlich in den akuten Hitzeperioden. Deshalb ist es wichtig, dass jemand bei dem Thema hinterher ist – und zwar das ganze Jahr über, und nicht erst in den akuten Phasen.
Einordnung des Projektes aus wissenschaftlicher Perspektive
In der Sonderveranstaltung ordneten Dr. Kersten Bux (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) und Dr. Stefan Bauer (BMAS) unter Moderation von Dr. Stefanie Bühn (BMAS) die Handlungshilfe aus wissenschaftlicher Sicht ein. Hier können Sie den Beitrag als Hintergrundgespräch hören.
Arbeitsschutz-Maßnahmen für klimawandelbedingte Gefährdungen
Betriebe stehen vor zahlreichen klimawandelbedingten Herausforderungen: Im Hinblick auf den Arbeitsschutz müssen sie Schutzmaßnahmen gegen Hitze, UV-Strahlung und Extremwetterereignisse umsetzen und klimawandelbedingte Gefährdungen in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Wirtschaftlich müssen sie mit möglichen Produktionsausfällen, hitzebedingten Arbeitsunfähigkeitstagen und gestörten Lieferketten vorausschauend planen. Das zeigt auch das Gutachten „Klimawandelbedingte Risiken für die Arbeitswelt“, welches vom BMAS im Rahmen der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ beauftragt wurde.
Das Hintergrundgespräch und die Erfahrungen aus den Erprobungsunternehmen zeigen, wie wichtig unterstützende Instrumente wie die Handlungshilfe sind. Der betriebliche Arbeits- und Gesundheitsschutz benötigt wirksame kommunikative und gestalterische Ansätze und Maßnahmen, damit Betriebe ihre Beschäftigten gut vor klimawandelbedingten Gefährdungen schützen können.
