Die Umstellung auf Tagesreinigung ist mit einigen Vorurteilen belastet. Verantwortliche fürchten steigende Kosten oder hohe organisatorischen Herausforderungen. Die Beispiele aus der Praxis zeigen jedoch: Mit einer guten Begleitung ist die Tagesreinigung nicht nur möglich, sondern führt zu spürbaren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, Sauberkeit und gegenseitigen Wertschätzung von Nutzenden und Reinigungskräften.
Tagesreinigung in der Praxis

Tagesreinigung als neuer Standard in Mecklenburg-Vorpommern
Das Finanzministerium Mecklenburg‑Vorpommerns führte 2023 bei über 500 landeseigenen Liegenschaften überwiegend Tagesreinigung ein. Ausschlaggebender Impuls waren zwei Anfragen aus der Reinigungsbranche: Die Landesinnung Nordost und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatten sich unabhängig voneinander für eine Umstellung ausgesprochen.
Das Ministerium prüfte die Vorschläge und arbeitete gemeinsam mit Fachpersonen zentrale Vorteile des Tagesreinigungsmodells heraus:
- attraktivere Arbeitsbedingungen für Reinigungskräfte,
- mehr Wettbewerb bei Ausschreibungen durch arbeitnehmerfreundlichere Arbeitszeiten,
- mehr Sichtbarkeit, Wertschätzung und Austausch zwischen Nutzenden und Reinigungskräften,
- verbesserte Qualitätskontrolle sowie
- effizientere Wege für mögliche Beanstandungen, schnelle Nachbesserungen vor Ort und damit eine erhöhte Nutzerzufriedenheit.
Darauf basierend legte das Ministerium durch einen Erlass an die Leitungen der staatlichen Bau- und Liegenschaftsämter die Tagesreinigung als Standard für alle öffentlichen Liegenschaften in Mecklenburg-Vorpommern fest – von Ministeriumsgebäuden über Polizeistandorte und Fachbehörden bis hin zu Gerichten.
Anfängliche Bedenken zu dieser Regelung konnten häufig durch direkte Gespräche ausgeräumt werden. Um gleichzeitig Flexibilität zu gewährleisten, führte das Ministerium als Auftraggeber zusammen mit den Dienstleistenden ein breites Reinigungsfenster von 6:30 bis 18 Uhr ein. Das Reinigungsfenster erleichtert Dienstleistenden die Reinigung mehrerer, auch abgelegener und kleiner Standorte. Spezifischere Zeitfenster für einzelne Raumgruppen wurden gemeinsam mit den Nutzenden abgestimmt. Möchten Nutzende von der Tagesreinigung ausgenommen werden, müssen sie diesen Wunsch gegenüber dem Ministerium schriftlich begründen.
Das breite Zeitfenster sowie der grundsätzliche Standard der Tagesreinigung sind die zentralen Erfolgsfaktoren des Modells in Mecklenburg-Vorpommern. Der Fall zeigt: Die schnelle und unkomplizierte Umsetzung von Tagesreinigung in den unterschiedlichsten Gebäuden ist möglich – auch in „komplexeren“ Gebäudearten.
Mehr Informationen zur Umsetzung finden Sie in der Präsentation des Finanzministeriums Mecklenburg-Vorpommern und Eindrücke aus der Praxis in diesem Interview.
Jena setzt Tagesreinigung in unterschiedlichen Bereichen um
Die Stadt Jena setzt die Tagesreinigung bereits vielseitig ein. Etwa 30 Prozent der Liegenschaften nutzen das Modell, meist mit einem Zeitfenster von sechs bis 16 Uhr. Neben Verwaltungsgebäuden, Gemeinschaftsunterkünften, Sportanlagen, Feuerwehrstandorten, Kultureinrichtungen werden auch Kindertagesstätten während der Nutzungszeiten gereinigt.
Die Einführung gelang in kurzer Zeit und schnell war klar: Die positiven Effekte überwiegen anfängliche Einwände. Robert Grüning, [stellvertretender Bereichsleiter im KIJ-Bereich Objektservice], erzählt im Interview den Weg von der Entscheidung bis zur Umsetzung.
Ein Beispiel für die positiven Effekte der Umstellung ist der Neubau der Gemeinschaftsschule Wenigenjena. Sie hat die Tagesreinigung zunächst als Pilotprojekt eingeführt. Ziel war es, Ordnung und Sauberkeit sichtbar zu machen und die bislang häufig bestehende Anonymität des Reinigungspersonals aufzuheben. Schüler*innen, Lehrkräfte und Reinigungskräfte begegnen sich im Schulalltag, was die direkte Wertschätzung und einen respektvollen Umgang stärkt. Moderne und geräuscharme Reinigungstechniken vermeiden Störungen während des Unterrichts.
Hier erfahren Sie mehr über das Pilotprojekt in der Gemeinschaftsschule Wenigenjena.
Die Stadt Jena stellt noch weitere Vorteile der Tagesreinigung fest. Zum Beispiel:
- Familienfreundliche Arbeitszeiten verbessern die Arbeitsbedingungen und stärken die Personalbindung.
- Planbare Arbeitsstunden erleichtern die Einsatzplanung für Mitarbeitende und Dienstleister und sorgen für einen geringeren Anteil an Minijobber*innen.
- Direkte Kommunikation und schnellere Reaktion auf Spontanverschmutzungen oder Hygieneanforderungen verbessern die Sauberkeit im Alltag deutlich.
Angesichts der positiven Erfahrungen hat die Stadt Jena das Projekt aus dem Pilotstatus heraus auf weitere Schulen, Kitas und Verwaltungsgebäude ausgeweitet. Das Beispiel zeigt: Tagesreinigung kann praxisnah, zügig und nutzungsorientiert in verschiedenen Gebäudetypen eingeführt werden.
Pilotprojekte für mehr Akzeptanz
Wie das Beispiel aus Jena zeigt, ist es in vielen Fällen sinnvoll, eine Umstellung auf die Tagesreinigung zunächst in gut begleiteten Pilotprojekten zu testen – sei es in kleineren Objekten, einzelnen Stockwerken oder für eine zeitlich begrenzte Testphase. So können Abläufe optimiert und Erfahrungen gesammelt werden. Zudem ist die Einführung eines Pilotprojekts oft niedrigschwelliger als eine sofortige, breitflächige Umstellung auf Tagesreinigung. Ein erfolgreich durchgeführtes Pilotprojekt kann als Referenz und Argumentationshilfe dienen, um eine höhere Akzeptanz des Modells des Tagesreinigung zu erreichen und dieses in weiteren Objekten einzuführen.
Mehr Sauberkeit in Düsseldorfer Schulen
Die NRW-Landeshauptstadt stellt die Reinigung in ihren Schulen Stück für Stück auf Tagesreinigung um. Das ist das Resultat des Pilotprojekts „Tagesreinigung an Schultoiletten“. Hierbei erfolgt die Reinigung des Schulgebäudes parallel zum Schulalltag und Sanitäranlagen werden mehrmals am Tag gereinigt.
Grund für das Pilotprojekt waren regelmäßige Beschwerden von Eltern, Lehrkräften und Kindern über starke Verschmutzungen und Beschmierungen der Schultoiletten. Teilweise mussten mehrmals pro Woche Sonderreinigungen durchgeführt werden. Durch die Einführung der Tagesreinigung erhoffte sich die Stadt vor allem die Verbesserung der Sauberkeit sowie eine erhöhte Sichtbarkeit der Reinigungskräfte. Diese Rechnung ging auf: Seit dem Start der Tagesreinigung ist die Anzahl der Reklamationen und der Sonderreinigungen stark zurückgegangen und die Toiletten sind den ganzen Tag sauber.
Die Pilotphase des startete am 1. Februar 2024 mit insgesamt 16 Schulen. Begleitet wurde sie durch ein pädagogisches Konzept, dass die Schüler*innen für die Arbeit der Reinigungskräfte sensibilisierte. Eine Evaluation des Projekts erfolgte im August 2024 mit einem sehr positiven Ergebnis, weshalb die Stadt das Projekt ausgeweitet hat. Zuerst werden die Schulleitungen aktiv angesprochen und dann werden Termine vor Ort vereinbart. Zwei Drittel aller 170 Düsseldorfer Schulen werden aktuell auf Tagesreinigung umgestellt. An 77 Standorten ist die Umstellung bereits erfolgt, für die weiteren 43 Schulen gibt es konkrete Pläne.
Als eine der 16 Schulen aus der Pilotphase hat das Gymnasium Koblenzer Straße die Tagesreinigung über die Sommerferien hinaus weitergeführt. Hier arbeiten die Reinigungskräfte bei laufendem Betrieb sowie nach Bedarf. Fünf Reinigungskräfte reinigen zwischen zehn und 17 Uhr das Gebäude. Sie arbeiten immer da, wo gerade niemand unterwegs ist: Verwaltungsflächen und Sanitäranlagen reinigen sie während der Unterrichtszeiten. Flure und Treppen reinigen sie auf dem Weg von einem Standort zum nächsten. Nur die Klassenräume sind erst nach Schulschluss an der Reihe.
Schüler sind gehemmter, die Räume mutwillig zu verschmutzen, wenn das Reinigungspersonal anwesend ist. Die Reinigungskräfte sind ein Teil des Kollegiums geworden, die Reinigung hat ein Gesicht bekommen.
Positive Entwicklungen durch Tagesreinigung
Viele Schulen kämpfen seit Jahren mit starken Verschmutzungen, defekten Sanitäranlagen und fehlenden Verbrauchsmaterialien. Untersuchungen zeigen, dass schlechte hygienische Bedingungen sogar dazu führen können, dass Schüler*innen den Toilettengang meiden, indem sie bewusst weniger essen und trinken – mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen.
Die Erfahrungen am Gymnasium Koblenzer Straße machen deutlich, dass Tagesreinigung hier einen spürbaren Unterschied machen kann. Die Beteiligten berichten von deutlichen Entlastungen, zum Beispiel Schulleiter Philipp Radermacher: Früher musste er teilweise mehrmals pro Woche teure Sonderreinigungen beauftragen, weil die Toiletten zu stark verschmutzt und beschmiert worden waren. Seit der Umstellung auf Tagesreinigung habe es keinen einzigen Vorfall dieser Art gegeben, berichtet er.
Weitere Hintergründe zum Düsseldorfer Pilotprojekt berichten der Westdeutsche Rundfunk oder das Magazin rationell reinigen.
Gemeinsames Konzept für ein besseres Reinigungsmodell in Potsdam
Eine Potsdamer Grundschule mit Hortbetrieb und abendlicher Nutzung der Turnhalle durch Vereine suchte eine neue Lösung für die Schulreinigung. Grund waren wiederholte Beschwerden über die Sauberkeit der Gebäude durch die Nutzenden und den Schulhausmeister. Schulverwaltungsamt, Reinigungsdienstleistende, Schulleitung und Hausmeister erarbeiteten daraufhin gemeinsam Umsetzungsstrategien für die Reinigung zu erarbeiten.
Als Ergebnis wurde die Reinigungszeit angepasst: Statt alle Gebäude und Räume in den Randzeiten von 16 bis 22 Uhr sowie fünf bis sieben Uhr und mit insgesamt sechs Reinigungskräften in Teilzeit zu reinigen, wurde im Rahmen einer dreimonatigen Testphase die Reinigung im Zeitfenster von sieben bis 15 Uhr erprobt. Diese Testphase begleitete die Schulleitung unter anderem durch die Erstellung von Raumnutzungsplänen und die Einbindung der Lehrerschaft über Lehrerkonferenzen. Ebenso passte sich das Reinigungsunternehmen an die Reinigung während der Nutzungszeiten an und beschaffte entsprechendes Equipment wie verschließbare Reinigungswagen und leisere Staubsauger.
Nach der Testphase werteten die beteiligten Seiten das neue Reinigungsmodell gemeinsam aus und justierten die Zeitfenster nach. Seit 2022 reinigen vier Reinigungskräften in Vollzeit in den Zeitfenstern von fünf bis 13 Uhr sowie von elf bis 19 Uhr die Schule. Dieses neue Modell wurde als Standardreinigungsmodell festgeschrieben. Klassenzimmer und Turnhalle werden weiterhin in den Randzeiten gereinigt, alle weiteren Räume in der Tagesreinigung.
Das Ergebnis der Umstellung ist eine sehr hohe Zufriedenheit bei der Schulleitung, dem Hausmeister und den Nutzenden sowie eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Reinigungskräfte.
Mehr Informationen zur Schulreinigung in Potsdam finden Sie in dem dazugehörigen Praxisbericht.
Tagesreinigung als Erfolgsmodell
Die drei Fallbeispiele aus Mecklenburg-Vorpommern, Jena und Düsseldorf zeigen: Tagesreinigung ist mit guter Vorbereitung in verschiedenen Gebäudetypen umsetzbar und bringt zahlreiche Vorteile mit sich. Pilotprojekte wie in Jena, Düsseldorf und Potsdam können ein sinnvoller Ansatz sein, um die Entwicklung hin zu flächendeckender Tagesreinigung anzustoßen und umzusetzen. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg ist dabei eine gut abgestimmte Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

