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Der Abschlussbericht der Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“

Die Auswirkungen des Klimawandels sind längst Teil des Arbeitsalltags Beschäftigter in Deutschland – und betreffen dabei Gesundheit und Wirtschaft gleichermaßen. Der Abschlussbericht unserer Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“ zeigt, anhand welcher Handlungslinien Arbeitsschutz und betriebliche Praxis gemeinsam darauf reagieren können.

Vom Büro bis zur Baustelle sind Beschäftigte in Deutschland vielfältigen Klimarisiken ausgesetzt – etwa durch Hitze, UV-Strahlung, Extremwetter, durch veränderte und sich ausbreitende Allergene und Krankheitserreger und durch den Umgang mit Gefahrstoffen, die durch Dekarbonisierung und Wiederverwertung von Rohstoffen relevant sind. Die gesundheitlichen Folgen dieser Veränderungen reichen von akuten Belastungen bis hin zu langfristigen Risiken: Hohe Temperaturen können beispielsweise zu Hitzestress, Erschöpfung, Kreislaufproblemen und einem erhöhten Unfallrisiko führen. Zunehmende UV-Belastung wiederum Hauterkrankungen bis hin zu Hautkrebs verursachen. Die aktuelle Studienlage zeigt deutlich, dass diese Entwicklungen bereits heute messbar sind: Die Zahl der Hitzetoten in Europa hat sich im Vergleich zu den 1990er Jahren nahezu verdoppelt, wie der Lancet Countdown Europe Report belegt (Kriit et al., 2026). Krankschreibungen steigen an besonders heißen Tagen um rund 3,5 Prozent, sobald die Temperaturen über 30 °C liegen, und hitzebedingte Erkrankungen nehmen zu.

Klimarisiken wirken heute – und sie wirken doppelt. Zum einen schränken sie die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der einzelnen Beschäftigten ein. Zum anderen gefährden sie die wirtschaftliche Stabilität, die betrieblichen Abläufe und die Produktivität des gesamten Betriebs durch Produktionsausfälle, sinkende Leistungsfähigkeit oder steigende Fehlzeiten. Insgesamt belaufen sich die klimabedingten Schäden in Deutschland zwischen 2000 und 2021 auf rund 145 Milliarden Euro. Hinzu kommen jährliche Produktivitätsverluste von etwa 9,8 Milliarden Euro.

Der aktuelle Copernicus-Bericht (Global Climate Highlights 2025) stellte für das Jahr 2025 die dritthöchsten Temperaturen weltweit fest. Dementsprechend erfordern die Klimarisiken heute und in Zukunft Anpassungen im Arbeitsschutz ebenso wie in betrieblichen Planungen und Maßnahmen – zum Schutz von Beschäftigten und für die Resilienz von Betrieben. Vor diesem Hintergrund setzt der Abschlussbericht der Politikwerkstatt im Themenfeld „Klimawandel und Arbeitsschutz“ an.

Abschlussbericht „Klima wandelt Arbeit – Wie Arbeitsschutz den Herausforderungen des Klimawandels begegnen kann“

Der Abschlussbericht bündelt zentrale Erkenntnisse, zeigt Handlungslinien auf und gibt Impulse für die vielen beteiligten Akteure, auf deren Zusammenarbeit es jetzt ankommt, um gemeinsam einen klimagerechten und klimasensiblen Arbeitsschutz gestalten. Gleichzeitig versteht er sich als Ausgangspunkt für den weiteren fachlichen Austausch.

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Was auf den Arbeitsschutz zukommt

Klimabedingte Risikofaktoren treten häufiger auf, wirken intensiver, überlagern sich und stehen zunehmend in Wechselwirkung. Mit dieser Komplexität verändern sich auch die Anforderungen an Prävention und Schutzmaßnahmen im Arbeitsschutz.

Diese Veränderungen betreffen jeden Einzelnen – und sie verändern auch die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, vom Büro bis zur Baustelle. […] Unser Anspruch muss immer sein, dass Menschen während der Arbeit möglichst wenig Gefahren für ihre Gesundheit ausgesetzt sind.


Bärbel Bas, Bundesministerin für Arbeit und Soziales

Diese Entwicklung zeigt sich in einer wachsenden Vielfalt an Gefährdungen, die den Arbeitsalltag zunehmend prägen. Zentral sind dabei insbesondere:

  • saisonale Hitze und UV-Strahlung
  • häufigere und heftigere Extremwetterereignisse
  • veränderte und sich ausbreitende Allergene und Vektoren, etwa neue Krankheitserreger)
  • neue Gefahrstoffe, etwa im Kontext von Kreislaufwirtschaft, energetischer Sanierung oder in der Akkufertigung
  • zunehmende psychische Belastungen
  • Kombinations- und Wechselwirkungen durch das Zusammenwirken mehrere Risiken

Der Arbeitsschutz bietet eine starke Grundlage, um diesen Entwicklungen wirksam zu begegnen. Deutschland verfügt über leistungsfähige Strukturen, die mit hoher fachlicher Expertise und bewährten Instrumenten wesentlich dazu beitragen, Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund kommt dem Arbeitsschutz eine zentrale Rolle als Mitgestalter und Impulsgeber in der klimagerechten Transformation der Arbeits- und Wirtschaftswelt zu. Bestehende Prinzipien und Instrumente – etwa das STOP-Prinzip und die Gefährdungsbeurteilung – bilden eine tragfähige Basis, um auch neue klimabedingte Risiken systematisch zu adressieren. Ziel ist es, Schutzmaßnahmen konsequent in den Arbeitsalltag zu integrieren und an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.

Künftig wird es darauf ankommen, Klimarisiken noch stärker in bestehende Prozesse einzubetten, präventive Ansätze weiterzuentwickeln, die Umsetzung in der betrieblichen Praxis zu stärken und mit gezielter Forschung weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Drei Handlungslinien für einen klimagerechten Arbeitsschutz

Der Abschlussbericht der Politikwerkstatt setzt hier an und leitet daraus zentrale Handlungslinien für einen klimagerechten Arbeitsschutz ab. Im Mittelpunkt stehen drei miteinander verknüpfte Ansatzpunkte:

  • Befassung mit klimabedingten Gefährdungen systematisch verankern

    Klimabedingte Gefährdungen gilt es, konsequent in den bestehenden Arbeitsschutz zu integrierten: Dazu gehört insbesondere, sie stärker in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen, Hitzeschutzpläne im Betrieb zu etablieren sowie die bestehenden Regelwerke wie die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und die zugehörigen Arbeitsstättenregeln (ASR) weiterzuentwickeln. Ziel ist es, mehr Klarheit und Rechtssicherheit für Betriebe zu schaffen und den Umgang mit neuen Risiken strukturell zu verankern.

  • Umsetzung vor Orte stärken und Kommunikation unterstützen

    Klimaanpassung im Arbeitsschutz wird erst wirksam, wenn Betriebe Maßnahmen konkret umsetzen. Dafür ist es erforderlich, die notwendige Unterstützung zu leisten, etwa durch praxistaugliche Handlungshilfen, die Sensibilisierung von Beschäftigten und Führungskräften, Aus- und Weiterbildungsangebote und Austausch in Netzwerken. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen müssen gezielt unterstützt werden, um geeignete Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

  • Wissensgrundlagen erweitern und Forschungslücken schließen

    Um den Arbeitsschutz wirksam weiterzuentwickeln, gilt es bestehende Wissenslücken systematisch zu schließen. Forschung und Praxis müssen dazu verstärkt die langfristigen gesundheitlichen Folgen klimabedingter Belastungen, das Zusammenwirken mehrerer Risiken sowie die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen in den Blick nehmen. Eine verbesserte Datenbasis ermöglicht es, Risiken frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen gezielt weiterzuentwickeln.

Die Politikwerkstatt „Klima wandelt Arbeit“

Der Abschlussbericht basiert auf einem breit angelegten Beteiligungsprozess: Rund 280 Fachleute haben sich in thematisch unterschiedlichen Werkstattgesprächen eingebracht und ihre Perspektiven zusammengeführt – beteiligt waren Vertreter*innen aus Wissenschaft, den Sozialpartnern, aus Unternehmensleitungen und der Arbeitsschutzpraxis, aus betrieblicher Mitbestimmung, Unfallversicherung, Krankenversicherung, Behörden, Betrieben und der Zivilgesellschaft. Ergänzt wurde dieser Austausch durch das Förderprojekt ARBEIT: SICHER + GESUND im Klimawandel (ASUG-Klima) mit fünf Pilotbetrieben zur Erprobung von konkreten Maßnahmen.

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Der Bericht ist damit nicht nur ein Ergebnis intensiver Zusammenarbeit, sondern auch Ausdruck eines gemeinsamen Lernprozesses und setzt Impulse für die weitere Entwicklung eines klimagerechten Arbeitsschutzes.

Gemeinsam weiterdenken

Klimaanpassung im Arbeitsschutz ist und bleibt also eine kontinuierliche Gemeinschaftsaufgabe. Die Politikwerkstatt hat gezeigt, dass Fortschritte vor allem dort entstehen, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und gemeinsam weitergedacht werden. Zugleich ist auch die Kommunikation selbst ein zentrales Ergebnis: Themen sichtbar zu machen und auf die Agenda zu setzen, ist eine Voraussetzung dafür, dass sie aufgegriffen und weiterentwickelt werden.

Der Abschlussbericht bündelt diese Impulse und macht sie für die weitere Arbeit nutzbar, etwa durch praktische Hilfestellungen wie die Handlungshilfe zur Erstellung von betrieblichen Hitzeschutzplänen, die eine Umsetzung in der Praxis unterstützen. Damit schließt er an den gemeinsamen Arbeitsprozess an und führt ihn zugleich fort. Drei wissenschaftliche Gutachten liefern weitere fachliche Anregungen für die Umsetzung geeigneter Schutz- und Kommunikationsmaßnahmen.

Klimawandel und Gesundheit – Auswirkungen auf die Arbeitswelt

Klimabedingte Risiken für die Arbeitswelt

Anforderungen an den Arbeitsschutz für Risikogruppen durch Klimawandelfolgen und Empfehlungen zur Anpassung des Arbeitsschutzes an die zunehmende Hitze- und UV-Belastung von Beschäftigten

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) wird diesen Prozess weiterhin aktiv als Impulsgeber, Treiber, Rahmensetzer und Koordinator begleiten. Ziel ist es, die angestoßenen Entwicklungen gemeinsam mit den beteiligten Akteuren weiterzuführen und den Arbeitsschutz im Kontext des Klimawandels kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Hitzeaktionstag am 11. Juni 2026

Im Rahmen des bundesweiten Hitzeaktionstags macht das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gemeinsam mit Partnern auf die gesundheitlichen Risiken durch steigende Temperaturen aufmerksam und zeigt konkrete Handlungsoptionen für den betrieblichen Hitzeschutz auf. In einer offenen Dialogveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Centre for Planetary Health Policy (CPHP) werden aktuelle Erkenntnisse, praxisnahe Lösungen – etwa Hitzeschutzpläne im Betrieb – sowie Erfahrungen aus der Politikwerkstatt vorgestellt und diskutiert.

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